Für Ärzte und Therapeuten

KyberPlus

KyberPlus: Schleimhaut-Diagnostik

Pathologischen Veränderungen auf der Spur

Pathologische Veränderungen an der Darm-Schleimhaut können Erkrankungen wie Allergien, Infektionen und chronische Verdauungsbeschwerden begünstigen oder sogar auslösen.

Gleichzeitig bietet die Schleimhaut aber auch die Möglichkeit, an mehreren Stellschrauben zu drehen und dem krankmachenden Prozess gezielt und nachhaltig gegenzusteuern – vorausgesetzt, die Schleimhaut-Störungen sind im Detail bekannt.

Das KyberPlus-Baukastensystem aus 11 biochemischen Paramtern weist derartige Störungen an der Darmschleimhaut nach und deckt damit Ursachen unklarer Abdominalbeschwerden auf. Die Parameter gliedern sich in die Bereiche:

Der Nachweis einzelner KyberPlus-Parameter ist sinnvoll bei:

  • Maldigestion
  • Pankreasinsuffizienz
  • chronischer Pankreatitis
  • vermindertem Schleimhautschutz
  • akuten und chronischen Darmentzündungen
  • Schubprognosen bei Morbus Crohn
  • nekrotisierender Enterokolitis
  • enteralem Eiweißverlustsyndrom
  • Permeabilitätsstörungen der Darmschleimhaut
  • glutensensitiver Enteropathie
  • intestinalen Parasitosen
  • Differenzierung zwischen Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • Wirksamkeitsnachweis einer Eliminationsdiät

Die Sprache der Schleimhaut verstehen 

Die Darm-Schleimhaut muss Enormes für unsere Gesundheit leisten: Auf einer Oberfläche von über vierhundert Quadratmetern muss sie gemeinsam mit der Darm-Mikrobiota Erreger, Antigene und Schadstoffe effektiv abwehren - gleichzeitig aber die Verdauung vorantreiben und Wasser und Nährstoffe selektiv aufnehmen. Lesen sie hier mehr. 

Die KyberPlus-Parameter

Verdauungsstörungen abklären

Ist die Verdauungsleistung beeinträchtigt, kann es zu Nährstoffmangel kommen. Ursache können eine Pankreas-Insuffizienz oder ein Mangel an Gallensäuren sein. Bauen Darmbakterien verstärkt Proteine ab, entstehen hepatotoxische Stoffe.

Der quantitative Nachweis von Verdauungsrückständen im Stuhl ist bei unklaren gastrointestinalen Beschwerden sinnvoll. 

Steigt die Fett- oder Stickstoffausscheidung auf pathologisch hohe Konzentrationen an, kann eine Verdauungsstörung wie die Maldigestion vorliegen. Bei längerem Bestehen kann die Maldigestion in eine Malabsorption übergehen – mit dem damit verbundenen Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Ursachen einer Maldigestion sind:

  • exokrine Pankreasinsuffizienz oder
  • Gallensäuremangel

Bei der exokrinen Pankreasinsuffizienz kommt es zu einem Mangel an den fett- und eiweißspaltenden Enzymen und die entsprechenden Nahrungsbestandteile werden nicht mehr ausreichend zerlegt. Hochmolekulare Fette und Eiweiße werden nicht mehr resorbiert und reichern sich im Stuhl an.

Ein Gallensäuremangel kann auftreten, wenn die Darmflora verstärkt konjugierte Gallensäuren abbaut oder die Gallensäurerückresorption gestört ist. In beiden Fällen sind zu wenig Gallensäuren vorhanden, um die Nahrungsfette ausreichend zu emulgieren. Damit steigt die Fettkonzentration im Stuhl an.

Der Wassergehalt des Stuhls zeigt an, ob der Patient unter Obstipation oder Diarrhö leidet, und gibt Hinweise darauf, wie viel Ballaststoffe der Patient zu sich nimmt.

Referenzbereiche: Fett: erhöht ab > 3,5%, Stickstoff: erhöht ab > 1,0%, Wasser: erhöht ab > 80,0%

Beim Proteinabbau bilden die Darmbakterien iso-Fettsäuren: die i-Valeriansäure und die i-Buttersäure. Parallel zu den iso-Fettsäuren entstehen hepatotoxische Metaboliten wie Indol, Skatol und Phenol. Die iso-Fettsäuren dienen deshalb als indirekter Marker für die leberschädigenden Stoffe.

Ursachen erhöhter iso-Fettsäurewerte können eine eingeschränkte Verdauungsleistung sein, hohe Zellzahlen proteolytischer Bakterien und eine Ernährung, die reich an tierischen Proteinen ist.

Die Bestimmung der Gallensäure-Konzentration im Stuhl erfolgt bei Verdacht auf ein Gallensäureverlust-Syndrom.

Der Körper produziert täglich etwa 700 ml Galle, die ungefähr zu 12 Prozent aus Gallensäuren oder Gallensalzen besteht. Normalerweise unterliegen die Gallensäuren dem enterohepatischen Kreislauf. Das bedeutet, der größte Teil der ins Duodenum sezernierten Gallensäuren wird im terminalen Ileum wieder resorbiert und gelangt zurück in die Leber. Etwa 0,6 g Gallensäuren gehen täglich über den Stuhl verloren und müssen neu synthetisiert werden. 
Eine Ileumdysfunktion bedeutet, die Gallensäuren werden ungenügend resorbiert. Der Körper scheidet sie vermehrt über den Stuhl aus.

Häufige Ursachen für einen Gallensäureverlust sind:

  • Ileitis bei Morbus Crohn
  • Resektion des terminalen Ileums
  • Bakterielle Dünndarm-Überwucherung (small intestinal bacterial overgroth = SIBO)

Die Gallensäuren sind im Colon osmotisch wirksam, deshalb kommt es zu einer chologenen Diarrhö. Ist bereits ein funktioneller Gallensäure-Mangel eingetreten, löst die gestörte Fettresorption eine Steatorrhö aus.

Die verminderte Fettresorption bewirkt auch einen Mangel an fettlöslichen Vitaminen (Hypovitaminose) und einen Gewichtsverlust. Da der After gereizt wird, kommt es zu Analekzemen. Wenn die emulgierenden Gallensäuren fehlen, besitzt die Galle eine erhöhte Lithogenität. Gallensteine sind die Folge.

Referenzwerte (Gallensäuren/100ml Stuhl):

  • <66 µmol: vermindert
  • 66-715 µmol: normal
  • 715,1-900 µmol: leicht erhöht
  • 900,1-1200 µmol: deutlich erhöht
  • >1200 µmol: stark erhöht

Eine verminderte Konzentration an Pankreasspezifischer Elastase 1 im Stuhl deutet auf eine chronische Pankreatitis oder Pankreasinsuffizienz hin. Eine Pankreasinsuffizienz führt zu einer Maldigestion. Deshalb wird Risikopatienten - zum Beispiel mit Diabetes oder Gallensteinen - eine Bestimmung der Pankreasspezfischen Elastase 1 als Vorsorgeuntersuchung empfohlen. Wegen der verminderten Calcium-Resorption ist die Untersuchung auch bei Patienten mit Osteoporose-Risiko angezeigt. 

Referenzbereich für pankreasspezifische Elastase 1 (E1):

  • ≥ 200 μg E1/g Stuhl: Normale exokrine Pankreasfunktion
  • 100 bis 200 μg E1/g Stuhl: Leichte bis mittlere exokrine Pankreasinsuffizienz
  • < 100 μg E1/g Stuhl: Schwere exokrine Pankreasinsuffizienz

Entzündungsmarker

Calprotectin, Lysozym, Laktoferrin und EPX spiegeln das Ausmaß der Granulozyten-Einwanderung in den Darm wider und zeigen damit Entzündungen der Darm-Mukosa an. Die Kombination der Marker erhöht die Sensitivität. 
Vorteil der fäkalen Entzündungsmarker: die Probengewinnung ist einfach und nicht-invasiv und die Bestimmung ist kostengünstig.

Calprotectin eignet sich zur Diagnostik und Verlaufskontrolle bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Außerdem dient es der Ausschlussdiagnostik beim Reizdarmsyndrom. In einer Studie zeigte Calprotectin eine Sensitivität von 82% und eine Spezifität von 87% bei der Unterscheidung von Reizdarmsyndrom und entzündlichen Darmerkrankungen.

Referenzbereich: erhöht ab 50 µg Calprotectin/g Stuhl

Die Lysozymwerte im Stuhl sind ein Indikator für das Ausmaß der Leukozyteneinwanderung in das Darmlumen. Colitis ulcerosa- und Morbus Crohn-Patienten haben erhöhte Lysozym-Werte im Stuhl.

Das Enzym spaltet Zuckerketten in der bakteriellen Zellwand und leitet so die Lyse der Bakterienzelle ein. Außerdem wirkt Lysozym indirekt bakterizid, da es die Aktivität der Immunantikörper verstärkt. 

Referenzbereich: erhöht ab 600 ng/ml Lysozym im Stuhl.

Über die Laktoferrinkonzentration im Stuhl lässt sich die Krankheitsaktivität bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) beurteilen. Der Parameter eignet sich außerdem zum Monitoring des Therapieerfolgs bei CED.

Laktoferrin ist Teil der angeborenen Immunabwehr an den Schleimhäuten. Bei einer Entzündung schütten die neutrophilen Granulozyten Laktoferrin aus, um Krankheitserreger abzutöten. Durch Eisenbindung wirkt Laktoferrin antimikrobiell.

Eine Entzündung im Darm lässt die Laktoferrin-Werte im Stuhl ansteigen. Bei nicht-entzündlichen Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom liegen die Laktoferrin-Werte dagegen im Normbereich.

Einsatzgebiete:

  • akute entzündliche Prozesse in der Abgrenzung von funktionellen Beschwerden
  • akute bakterielle Infekte des Colons
  • Aktivitätsmonitoring bereits bekannter, chronisch-entzündlicher Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
  • Tumorsuche in Kombination mit dem Tumormarker M2-PK

Referenzbereich: erhöht ab 7,24 μg pro g Stuhl

Die Menge an zirkulierendem eosinophilen Protein X (EPX) spiegelt den Entzündungsstatus des Körpers wider. EPX eignet sich

  • zum Nachweis akuter oder chronischer Darmentzündungen
  • zur Differenzierung zwischen Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • zur Prüfung der Wirksamkeit einer Eliminationsdiät
  • zum Nachweis intestinaler Parasitosen.

Eosinophile gehören zu den Leukozyten. Sie treten verstärkt an Entzündungsherden und als Antwort auf Infektionen mit Parasiten auf. Granulaproteine wie das EPX können Parasiten abtöten, aber auch Gewebeschäden verursachen, die mit entzündlichen Erkrankungen in Zusammenhang stehen.

Eine Aktivierung der Eosinophilen ist bei vielen Entzündungsprozessen zu beobachten. Beispiele sind Bronchialasthma, atopische Dermatitis, Rhinitis, allergische Augenentzündungen, allergische Mittelohrergüsse, Parasiten- und Bakterieninfektionen, Autoimmunerkrankungen und das chronische Müdigkeitssyndrom.

Referenzbereich: erhöht ab 1700 ng EPX/ml Stuhl

Biomarker der Schleimhautabwehr

Die Biomarker sIgA und β-Defensin 2 weisen die Fähigkeit der Darm-Schleimhaut nach, Erreger, Antigene und Schadstoffe abzuwehren.

Die Produktion des sekretorischen Immunglobulin A (sIgA) ist bei rezidivierenden Infektionen der Schleimhäute, Atopien und humoralen Immundefekten vermindert.

Für einen effektiven Schleimhautschutz ist eine ausreichende sIgA-Produktion wichtig. sIgA bindet an Bakterien oder Viren, die in den Magendarmtrakt oder die Bronchien eingedrungen sind; anschließend transportieren die Peristaltik des Darms und das Flimmerepithel der Bronchien das sIgA samt gebundenen Krankheitserregern ab.

Referenzbereich: erhöht ab > 2040 μg/ml sIgA im Stuhl

Haut und Schleimhaut des Menschen bilden antibiotisch wirkende Stoffe - die Defensine. Sie sind Teil der chemischen Barriere, die gemeinsam mit der physikalischen Barriere der Epithelzellen vor Eindringlingen schützen. Störungen der Defensinproduktion spielen unter anderem bei Allergien wie Neurodermitis oder Asthma bronchiale und bei entzündlichen Darmerkrankungen eine Rolle.

Die β-Defensine sind von allen Defensin-Typen am weitesten verbreitet. Haut und Schleimhaut bilden β-Defensin 2, wenn sie mit Bakterien in Kontakt treten oder wenn eine Entzündungsreaktion in Gang kommt. Bakterienhaltige Präparate können die Defensinsynthese im Darm anregen und damit die Schleimhautbarriere stärken.

Referenzbereich: erhöht ab >60 ng/ml 

Permeabilität des Darmepithels (Leaky Gut)

Zonulin und α1-Antitrypsin zeigen die Durchlässigkeit des Darmepithels an. Sind die Werte der Biomarker im Stuhl erhöht, steigt das Risiko für Entzündungen des Darmepithels, Allergien und eine metabolische Endotoxinämie.

Das Regulatorprotein Zonulin ist ein geeigneter Marker, um die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut zu messen. Zonulin reguliert den Austausch von Flüssigkeit, Makromolekülen und Leukozyten zwischen dem Blutstrom und dem Darmlumen. Außerdem schützt es die subepithelialen Schichten.

Verschiedene Reize veranlassen die Darmepithelzellen, Zonulin in das Darmlumen und in die Blutgefäße abzugeben. Beispiele sind der direkte Kontakt zu Bakterien bei fehlender oder unterbrochener intestinaler Mukusschicht und der Kontakt zu Gliadin. Das Zonulin bindet an Rezeptoren auf der Oberfläche der Darmepithelzellen und löst eine Signalkaskade aus, durch die sich das Zytoskelett der Zelle zusammenzieht. In der Folge öffnen sich die Tight junctions. Findet die Zonulin-vermittelte Öffnung der Tight junctions wiederholt und verstärkt statt, entwickelt sich das Leaky gut-Syndrom.

Referenzbereich: grenzwertig ab >78,0 ng/ml Stuhl oder >48,0 ng/ml Serum

α1-Antitrypsin (α1-AT) dient als Marker für Entzündungen und Permeabilitätsstörungen bei:

  • entzündlichen Erkrankungen des Magendarmtrakts
  • Morbus Crohn (Prognose eines Schubs)
  • nekrotisierender Enterokolitis
  • Verdacht auf enterales Eiweißverlustsyndrom
  • Permeabilitätsstörungen der Darmschleimhaut
  • glutensensitiver Enteropathie.

α1-Antitrypsin ist ein Proteaseinhibitor, hemmt also proteolytische Enzyme und verhindert so die Zersetzung des Bluteiweißes. Als Proteaseinhibitor wird α1-Antitrypsin selbst nur geringfügig abgebaut und eignet sich deshalb gut als Marker. Bei Entzündungen bildet der Körper verstärkt α1-Antitrypsin.

Referenzbereich: erhöht ab 56 mg α1-AT/dl Stuhl

Schleimhautversorgung und bakteriell vermittelte Sättigung

Die Mikrobiota bildet die kurzkettigen Fettsäuren Essigsäure, Propionsäure und Buttersäure. Darüber ernährt sie die Darm-Schleimhaut und beeinflusst unser Sättigungsgefühl.

Die Darm-Mikrobiota bildet Essigsäure, Propionsäure und Buttersäure und greift über die kurzkettigen Fettsäuren in unseren Stoffwechsel ein.

Die bakteriell gebildete Essigsäure steigert das Hungergefühl und regt die Gluconeogenese und die Liponeogenese an. Das stellt dem Organismus zusätzliche Kalorien zur Verfügung. Die Propionsäure wirkt gegenläufig: Sie verstärkt das Sättigungsgefühl, senkt den Cholesterinspiegel und verbessert die Insulinsensitivität.

Die Buttersäure ist vor allem für das Darmepithel wichtig: Sie deckt zu 80 Prozent die Ernährung der Epithelzellen und gewährleistet so die Funktionsfähigkeit der Darmschleimhaut. Ein verminderter Buttersäure-Anteil deutet auf eine Mangelversorgung des Darmepithels hin.

Diagnostik-Leitfaden

In unserem Diagnostik-Leitfaden können Sie aus 78 ICD-kodierten Indikationen wählen. So können Sie den Beschwerden Ihrer Patientinnen und Patienten Stufe für Stufe auf den Grund gehen, immer nach dem Prinzip: häufige Ursachen zuerst. 

Was kreuze ich an?

Auf unserem Auftragsformular "Gesetzliche Krankenkassen", "Selbstzahler" und "Privatversicherte Patienten" finden Sie die Komplettanforderung auf der 1. Seite, linke Spalte, unter der Ziffer:
 

  • d20 Komplettanforderung aller KyberPlus-Parameter

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