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Obstipation

Kyber-Obstipation: Mikrobielle und neuroendokrine Marker bei Obstipation

Chronische Obstipation ist häufig multifaktoriell bedingt. Neben strukturellen und funktionellen Ursachen rücken zunehmend mikrobiota-assoziierte und neuroendokrine Mechanismen in den Fokus. Unsere Kyber-Obstipation-Stuhldiagnostik erfasst drei relevante Parameterbereiche, die zur Differenzierung der zugrunde liegenden Pathomechanismen beitragen und eine gezielte Therapie ermöglichen.

3D-Darstellung von M. smithii Bakterien, relevant bei Obstipation, Ansicht der Innenseite links
3D-Darstellung von M. smithii Bakterien, relevant bei Obstipation, Ansicht der Innenseite links

Methanobrevibacter smithii – IMO als Motilitätsfaktor

M. smithii ist das dominante methanogene Bakterium im menschlichen Kolon. Es reduziert enterischen Wasserstoff zu Methan – ein Gas, das nachweislich die gastrointestinale Motilität hemmt. Eine erhöhte M.-smithii-Last ist mit chronischer Obstipation assoziiert und lässt sich gezielt behandeln.
 

M. smithii ist ein Archaeon – ein einzelliger Mikroorganismus, der trotz oberflächlicher Ähnlichkeit zu Bakterien eine eigene Domäne des Lebens bildet, mit abweichender Zellwand- und Stoffwechselstruktur. Es macht 80–100 % der methanogenen Archaeen im menschlichen Kolon aus. Als hydrogenotrophes Archaeon reduziert es enterischen Wasserstoff zu Methan (4 H₂ + CO₂ → CH₄). In-vitro- und In-vivo-Studien zeigen, dass Methan die gastrointestinale Motilität direkt hemmt – tierexperimentell wurde eine Reduktion der propulsiven Dünndarmmotilität um über 50 % nachgewiesen. Klinisch korreliert eine erhöhte M.-smithii-Last mit einer erhöhten Methanproduktion, die mittels Atemtest nachgewiesen werden kann. Es ist mit chronischer Obstipation sowie Reizdarm mit vorherrschender Obstipation (IBS-C) assoziiert. Eine gezielte antibiotische Therapie gegen methanogene Archaeen kann den Stuhltransit und die Symptomatik nachweislich verbessern. Man spricht hier vom Krankheitsbild IMO (Intestinal Methanogen Overgrowth), abzugrenzen von SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth). Eine Dünndarmfehlbesiedlung kann mittels unserer SIBO-Diagnostik nachgewiesen werden. Hierbei werden Wasserstoff und Methan im Atemgas gemessen. 

Serotonin – neuroendokrine Motilitätssteuerung

Serotonin (5-HT) wird überwiegend im Darm gebildet und steuert dort über verschiedene Rezeptoren die Peristaltik. Niedrige Serotoninspiegel sind mit Obstipation assoziiert und liefern einen neuroendokrinen Erklärungsansatz – ergänzend zu mikrobiellen Ursachen.
 

Serotonin wird überwiegend in enterochromaffinen Zellen des Dünndarms gebildet und wirkt über 5-HT1-, 5-HT3- und 5-HT4-Rezeptoren auf Peristaltik und viszerale Sensitivität. Während eine übermäßige Aktivierung von 5-HT3- und 5-HT4-Rezeptoren die Motilität steigert und Diarrhö begünstigt, führt eine Bindung an 5-HT1-Rezeptoren zu einer Hemmung der Peristaltik. Niedrige Serotoninspiegel sind entsprechend mit Obstipation assoziiert. Die Bestimmung liefert damit einen komplementären, neuroendokrinen Erklärungsansatz. 

Obstipation und Serotonin: Chemische Strukturformel auf Tafel gezeichnet
Obstipation und Serotonin: Chemische Strukturformel auf Tafel gezeichnet
3D-Darstellung der funktionellen Mikrobiota bei Obstipation auf der Innenseite rechts, verschiedene Bakterienarten in Nahaufnahme
3D-Darstellung der funktionellen Mikrobiota bei Obstipation auf der Innenseite rechts, verschiedene Bakterienarten in Nahaufnahme

Funktionelle Mikrobiota-Diagnostik

Ergänzend erfassen wir mit dem KyberKompaktPRO vier funktionelle Gruppen der Mikrobiota sowie Hefen und Schimmelpilze und den pH-Wert des Stuhls:

•    Immunmodulierende Mikrobiota: Training und Toleranzentwicklung des mukosaassoziierten 
      Immunsystems
•    Protektive Mikrobiota: Kolonisationsresistenz, Barrierefunktion
•    Proteolytische Mikrobiota: pH-abhängiger Proteinabbau, potenziell zytotoxische Metaboliten 
      (Ammoniak, Sulfide, Amine)
•    Mukonutritive Mikrobiota: Ernährung des Darmepithels & Mukusbildung
•    Hefen und Schimmelpilze: Nachweis einer mykotischen Fehlbesiedlung
•    pH-Wert des Stuhls: Indikator für das mikrobielle Gleichgewicht 

Eine Dysbiose in diesen Bereichen – etwa niedrige Zellzahlen von F. prausnitzii als Hinweis auf eine eingeschränkte Buttersäureversorgung des Epithels, oder ein alkalisches Stuhlmilieu – kann die Obstipationssymptomatik zusätzlich unterhalten oder verstärken.
 

Therapeutische Konsequenz

Die Kombination der drei Parameterbereiche ermöglicht eine differenzierte Zuordnung der Obstipationsursache und damit eine gezielte Therapieentscheidung: antimethanogene Antibiose bei IMO, Ansätze zur Modulation des serotonergen Systems bzw. diätetische und probiotische Interventionen bei mikrobieller Dysbiose. Zum Befund erhalten Sie individuelle Therapieempfehlungen. 

Was kreuze ich an?

Auf den Auftragsformularen für "Selbstzahler" und "Privatversicherte Patienten" finden Sie auf der 1. Seite, rechte Spalte, die Ziffer:

  • a45 Profil Kyber-Obstipation

Haben Sie noch Fragen? Unter unseren Hotline-Nummern beantworten wir sie gerne.

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